Um Informationen über die Bilder zu
bekommen klicken Sie mit der Maus auf die Bilder . DIE ZEUGEN UNSERER
Es
sind stumme und doch sehr ausdrucksvolle Zeugen der polnischen Geschichte: mit
der Landschaft verschmolzene, zerstreut auf dem ganzen Gebiet der Republik Polen
liegende Burgen, Schlösser und historische Städte mit ihren jahrhundertealten
Sehenswürdigkeiten - manche besser; einige aber schlechter erhalten. Mit
ihrer Hilfe, aber auch durch unser Wissen und durch unsere Fantasie unterstützt,
sind wir imstande, wachend eine Reise nicht nur im Raum, sondern auch in der
Zeit anzutreten.
GESCHICHTE
Die
,,Zeitmaschine" bringt uns zunächst mal nach Biskupin. Errichtet vor
zweieinhalb Jahrtausenden und heute auf Grund der Ausgrabungen wieder aufgebaut
und den Touristen als archälogisches Schutzgebiet zugänglich gemacht,
zeigt die Burg den ganzen Scharfsinn ihrer Erbauer. Wir können einen schönen
Spaziergang durch ihre Gassen machen und mit eigenen Augen feststellen, wie
die Ur-ur-Vorfahren der Polen aus der Zeit der Lausitzer Kultur lebten,wie sie
wohnten und arbeiteten.
Von Biskupin ist es nicht mehr
weit nach Kalisz, die Stadt mit der ältesten Schrifturkunden Polens.
Ptolemäus erwähnte sie vor l8OOJahren in seinem geographischen Werk
als Calisia, eine Siedlung an der Bernsteinstraße, die das Römische
Imperium mit der Ostseeküste verband. In der Nähe befindet sich Gniezno,
eine Stadt, die wie Rom auf sieben Hügeln liegt und die bereits im 8. Jahrhundert
die Hauptburg der Polanen war. Hier bildeten vor tausend Jahren die ersten polnischen
Herrscher, Mieszko 1. und Boleslaw Chrobry feste Grundlagen unseres Staatswesens,
hier begann die haltbare Verbindung Polens mit der römisch-katholischen
Kirche, wovon u. a. die an der Bronzetür der Erzkathedrale zu Gniezno aus
geschmiedeten Reliefs eines Künstlers aus dem 12. Jahrhundert zeugen.
Vom
Standpunkt des touristischen Heimatforschers aus teilt man die historischen
Städte Polens in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe bilden großstädtische
Stützen, mit Warszawa an der Spitze, die am Anfang des 17.Jahrhunderts
die Funktion der Hauptstadt über nahm, während des 2. Weltkrieges
und des Warschauer Aufstandes 1944 völlig zerstört und danach dank
der gewaltigen Anstrengung des ganzen Volkes wiederaufgebaut wurde.
Die
größte Anhäufung von Baudenkmälern und historischen Sehenswürdigkeiten
ist zweifellos
Krakau
die alte Hauptstadt der Könige, die noch heute als Zentrum der polnischen
Kultur gilt. Krakau ist auch die europäische Kulturhauptstadt
2000. Auf dem Wawel-Hügel und innerhalb vom grünen Ring der
Planten, die sich an Stelle der ehemaligen Wehrmauern befinden, hat beinahe
jeder Stein seine Geschichte und Legende. Der
Altmarkt mit seinen Tuchhallen, mit der Marienkirche und dem Viereck, das verschiedene
kleine Schlösser und Wohnhäuser bilden, war mehrmals in der Geschichte
Schauplatz vieler Ereignisse und feierlicher Veranstaltungen von nationalem
Charakter. Die Jagiellonische Universität war eine der ersten und prächtigsten
in Europa des Mittelalters. Und nicht zu vergessen der Stadtteil Kazimierz,
einst eine selbstständige Stadt, von Kazimierz dem Großen angelegt,
mit der Zeit vorwiegend von Juden bewohnt. Dieser Ort war jahrhundertelang beredtes
Zeugnis von gutnachbarlichen Beziehungen zwischen Polen und Juden.


Die
nördliche Stütze ist zweifellos die alte hanseatische Stadt Gdansk,
die dem polnischen Staat in der Zeit vom 15. bis zum 18. Jahrhundert als ,,Fenster
in die Welt" diente. Gdaüsk war einst Monopolist im Getreide-und Holzhandel
auf dem Meer. Wir werden daran unter anderem durch große Speicher und
den Alten Kran, eine herrliche Mühle an der Motlawa, erinnert, wo sich
heute das Meeresmuseum befindet. Dank der aufopfernden Arbeit der Konservatoren
wurde die alte Pracht des historischen Zentrums wiedergewonnen, das heißt
die der Altstadt und ihrer Achse, die den Königlichen Weg bildet. Ein Spaziergang
durch Gdansk ist gleichzeitig ein Anschauungsunterricht über unsere jüngste
Geschichte, eine Erinnerung an den Heldenmut und die Tragödie jener, die
im September 1939 Westerplatte und die Polnische Post in Gdansk verteidigten.
Es ist auch das Denkmal der Gefallenen Werftarbeiter vor dem Eingang zur Gdansker
Werif, wo ,,Solidarnosc"' geboren wurde. Eine organische Einheit mit Gdansk
bilden Gdynia - eine der jüngsten Hafenstädte an der polnischen Ostseeküste,
in den zwanziger Jahren entstanden - und Sopot, als berühmter Badeort bereits
im 19.Jahrhundert angesehen.
Die
zweite Gruppe unter den polnischen Städten bilden die ehemaligen ,,Perlen
in der Krone", wertvoll und bedeutsam in historischer Hinsicht. Zu ihnen
gehören:
- Gzestochowa, mit dem Kloster auf der Jasna Gora, das nicht nur
als die geistige Hauptstadt des katholischen Polens
gilt, sondern auch in seiner Schatzkammer nationale Andenken und historische
Kultgegenstände birgt;
-
Sandomierz mit dem sorgfältig restaurierten architektonisch-landschaftlichen
Renaissancekomplex, der zu den malerischsten in Polen zählt; 
-
Tarnow mit der Gotik- und Renaissancebebauung innerhalb der ehemaligen Wehrmauern
in Hufeisenform;
-
Torun, ein im Weltmaßstab einzigartiger mittelal-terlicher Städtebaukomplex,
der einige hundert Bauten der gotischen Architektur umfasst, darunter das Geburtshaus
des genialen Astronomen Kopernikus;

- Zamosc, eine Renaissancestadt, die am Ende des 16. Jahrhunderts errichtete,
ausgezeichnet verschanzte Residenz der Magnatenfamihe Zamoyski.
Die
dritte und letzte Gruppe umfasst ,,Perlen", die gegenwärtig etwas
verwahrlost wirken, aber voller schöner Sehenswürdigkeiten sind:
- Stary Sacz, in der Gabelung zwischen dem Dunajec und dem Poprad gelegen, einst
das Wirtschafts- und Kulturzentrum auf der Straße nach Ungarn;
- Zloty Stok, mit dem den Touristen zugänglich gemachten Fürstenstollen
in der ehemaligen Goldgrube.
Mit den Städten sind einige polnische Schlösser verschmolzen, obwohl
sich historisch gesehen Burgen in der unmittelbaren Nähe von bereits errichteten
Festungen entwickelten. Auf diese Weise konnten die Einwohner sicher sein, dass
sie im Notfall Schutz und Zuflucht finden. Gemauerte Schlösser begann man
in Polen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu bauen, und im 14.
Jahrhundert, zur Zeit der Herrschaft von Kazimierz dem Großen wurden sie
zum untrennbaren Bestandteil der polnischen Landschaft.
Unter den 450 gegenwärtig registrierten Schlössern in Polen ist glücklicherweise das bedeutendste Schloss unversehrt geblieben, das Königsschloss auf dem Wawel in Krakow mit den Gemälde-, Kunsthandwerks - und Waffensammlungen, mit der Krönungskathedrale der Könige und mit den Grabgewölben der Herrscher.
Nach
dem Baustil von Wawel wurden später andere königliche Schlösser
erbaut, vor allem die mit Verteidigungscharakter, zum Beispiel Festungen im
Süden Polens, auf dem ,,Adlerneststeig" (,,Szlak Orlich Gniazd"),
von Pieskowa Skala bis nach Ogrodzieniec und Olsztyn.

Die
Liste der königlichen Schlösser wird durch das Warschauer Königsschloss
ergänzt. Es war Zeuge großer Siege Polens und so unvergesslicher
Leistungen wie die Beschließung der Verfassung vom Dritten Mai im Jahre
1791. Diese Verfassung war die erste in Europa und nach Amerika die zweite in
der Welt.Das Schloss wurde bewusst während des 2. Weltkrieges als das Stadt-
und Staatssymbol zerstört und danach dank der Opferbereitschaft der polnischen
Bevölkerung mit einmaliger Fürsorglichkeit rekonstruiert.
Charakteristisch
für den Norden Polens sind Kreuzritterschlösser - das Erbe nach dem
Kreuzritterorden, der zwecks Christianisierung der Preußen im 13. Jahrhundert
nach Polen gebracht wurde. Zu den wertvollsten unter ihnen gehört das Schloss
in Malbork, der ehemalige Sitz des Hochmeisters des Ordens, das in seinem Innern
interessante Museumsstücke birgt.
